Musikalische Memes zwischen Originalität und Viralität

Georg Fischer (Berlin): Musikalische Memes zwischen Originalität und Viralität

Der Beitrag diskutiert die Frage, in welcher Weise sich eine Theorie der Memes für die Erforschung digitaler Musikproduktion nutzen lässt. Für dieses Anliegen sollen zwei musikalische Samples gegenübergestellt werden: der “Amen Break”, ein kurzer Schlagzeug-Break der Funkband The Winstons (1969), und das Gitarrenriff aus Daft Punks “Get Lucky” (2013). Beide Samples waren äußerst einflussreich für die musikalische Popkultur, wenn auch auf unterschiedliche Weise: Der “Amen Break” war entscheidend für den Aufstieg des Genres Drum’n’Bass in den 1990er Jahren und wurde in tausenden Stücken als rhythmisches Gerüst benutzt. Das Sample aus “Get Lucky” trug dagegen entscheidend zum Erfolg des Albums “Random Access Memories” von Daft Punk bei, da es bereits Monate vor der offiziellen Veröffentlichung in ebenfalls tausenden Remixes im Internet kursierte. Charakteristisch ist für beide Samples, dass sie als “vagabundierende Kopien” (Dirk von Gehlen), losgelöst von ihren Ursprüngen, verschiedene Orte und Zusammenhänge durchwandern. So entsteht eine Dynamik, die die Spannung aus originellen Beiträgen und viralen Ausbreitungszyklen als stilistisches Merkmal reflexiv ausstellt.

Georg Fischer ist Doktorand am Institut für Soziologie an der TU Berlin und Stipendiat im dortigen Graduiertenkolleg “Innovationsgesellschaft heute: Die reflexive Herstellung des Neuen”. In seiner Dissertation befasst er sich am Beispiel der musikalischen Praxis Sampling mit dem Verhältnis von Urheberrecht und Kreativität in der digitalen Musikproduktion. Seit 2010 betreibt er das Blog “Jäger und Sampler”.

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