Motivationen für politische Internet Meme

Anne Leiser (Bremen): Motivationen für politische Internet Meme: Nutzergenerierte Inhalte in sozialen Bewegungen

Seit der Einführung des Web 2.0 gibt es unzählige Plattformen, die Nutzer dazu auffordern, Inhalte zu generieren und mit anderen zu teilen. Mit den sozialen Medien werden Konsumenten von Informationen also auch gleichzeitig Mitteilende und können somit in unterschiedlichen gesellschaftlichen Prozessen mitwirken. Auch soziale Bewegungen haben stark an Online-Präsenz gewonnen. Digitaler Aktivismus ist spätestens seit dem arabischen Frühling zur Realität von sozialen Bewegungen weltweit geworden. Einige dieser Inhalte werden in Form von Internet Memen geteilt. Internet Meme sind Gruppen von digitalen Elementen, die Gemeinsamkeiten hinsichtlich Inhalt, Form oder Haltung haben und welche in Anlehnung aneinander kreiert werden. Nutzer wirken in dem Mem-Generierungsprozess aktiv mit.

Meme sind daher ein inhärent soziales Phänomen, welches in vielen gesellschaftlichen Diskursen wie z.B. der Occupy-Bewegung präsent ist. Kommunikationswissenschaftliche Arbeiten betrachteten bereits die Zusammensetzung viraler und memetischer Inhalte; eine nutzerzentrierte Perspektive aus einer medienpsychologischen Perspektive fehlt allerdings bislang. So wissen wir nicht, was Mem-Nutzer motiviert, Meme zu generieren, zu verteilen oder zu konsumieren. Auch wissen wir wenig über die Rolle von Memen in sozialen Bewegungen, vor allem aus Sicht von Mem-Nutzern. In dieser explorativen Studie wurden Mem-Nutzer zu ihren Motivationen befragt. In einer iterativen, dreistufigen Delphi-Studie konnten sie sich gegenseitig über die Nutzung von Internet Memen austauschen sowie über die Rolle, welche Meme aus ihrer Sicht in gesellschaftspolitischen Prozessen spielen. Die Teilnehmer der Studie kamen aus Deutschland, den USA, der Türkei und Island. In der Türkei und in Island wurden Meme bereits in sozialen Bewegungen stark genutzt (Occupy Gezi in der Türkei und Pots und Pans Revolution in Island); In Deutschland und in den USA sind Meme im Internet besonders weit verbreitet und in Internetkulturen fest verankert.

Durch eine qualitative Inhaltsanalyse wurden die Motivationen hinter Mem-Nutzung abgeleitet und in der Literatur des Uses-and-Gratifications-Ansatzes theoretisch verortet. Insbesondere Autonomie, Zugehörigkeit und Kompetenz (‘autonomy’, ‘feeling of belonging’ und ‘competence’) wurden als Motivationen für Mem-Nutzung genannt. Auch werden Meme als wichtige Komponenten im Diskurs der Gegenöffentlichkeit wahrgenommen, da sie prägnant und wirkungsvoll sind. Diese Studie vertieft daher unser Verständnis von nutzergenerierten Inhalten aus einer medienpsychologischer Sicht durch die Anwendung des Uses-and-Gratifications-Ansatzes im Rahmen von partizipativer Kultur im Internet. Darüber hinaus bietet sie erste empirische Erkenntnisse für die zukünftige Forschung zur Nutzung von Internet Memen.

Anne Leiser studierte an der Jacobs University Bremen Intercultural Relations and Behavior und schrieb 2012 ihre Bachelorarbeit zu Radikalisierungsprozessen von Rechtstremisten in Deutschland. Im Folgejahr machte sie ein Predoctoral Fellowship an der Bremen International Graduate School for Social Sciences (BIGSSS) und führte ihre Forschung zu Radikalisierungsprozessen fort. Während dieser Zeit studierte sie auch Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Seit 2013 widmet sie sich im Rahmen ihrer Promotion an der BIGSSS der Forschung zu politischen Prozessen im Internet. Ihre Dissertation befasst sich mit den Beweggründe hinter der Nutzung von Internet Memen sowie der Rolle politischer Internet Meme im gesellschaftlichen Diskurs und in sozialen Bewegungen.

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