Konsum Memes

Simon Bieling (Karlsruhe): Konsum-Memes

Wenn seriell hergestellte Massenprodukte zum Gegenstand eines Memes werden, geraten zwei vergleichbare Wohlstandsphänomene in eine enge Beziehung. Massenprodukte wie Memes werden an vielen Orten in identischer Form gleichermaßen verfügbar und zugänglich. Genauso zeichnet es aber beide auch aus, trotzdem – oder gerade deshalb – immer wieder unterschiedlich angeeignet zu werden, um spezifischen Kontexten, Interessen und Zwecken dienen zu können.

Mein Beitrag untersucht deshalb eine Reihe von Memes, die Konsumprodukte zum Gegenstand haben. So fanden, um nur ein Beispiel zu nennen, Ende 2011, kurz nach der Markteinführung des iPhone 5, Apple- und Nokia-Mobiltelefone mit dem Meme »Indestructible Nokia 3310« die Aufmerksamkeit vieler Internetnutzer_innen. War es damals schon voraussetzbares Allgemeinwissen, wie außerordentlich fragil der Bildschirm des Geräts ausfällt, entwickelte sich ein Meme, das dieses Produktmerkmal besonders stark zuspitzte und es mit dem als weitaus stabiler geltenden Nokiahandy in einen direkten Vergleich brachte. Bald geriet das iPhone ganz aus dem Blick und es entstand ein regelrechter Wettbewerb darum, immer wieder neue Bildideen zu entwickeln, wie die besondere Robustheit des Nokia-Handys hervorgehoben werden könnte. Im Verlauf gewannen damit metaphorische Bedeutungszuweisungen stärkere Relevanz: So konnte das Handy plötzlich ebenso Schutz vor schwerer Munition bieten, zum Garanten ewiger Liebe werden wie als Sprengstoff, Granate und Wurfgeschoss zerstörerische Kräfte entfalten.

»Indestructible Nokia 3310«, aber auch weitere vergleichbare Memes, die beispielsweise künstlich die Transparenz von Laptops nahelegen (»Transparent Screens«), dazu bewegen, seinen Kopf dem hauseigenen Kühlschrank anzunähern (»Heads in Freezers«) oder seine Biografie mit längst abgelegten Mobiltelefonen zu erzählen (»Handybiografien«), geben jeweils Gelegenheit zu einem erkenntnisträchtigen Vergleich. Kontrastiert man nämlich ihre Genese damit, wie Konsumprodukte verbreitet und angeeignet werden, wird man etwas präziser schärfen können, welche Begriffe geeignet sein könnten, Memes näher zu untersuchen. Welche Unterschiede lassen sich zwischen den Verbreitungskontexten und -maschinerien von Konsumprodukten und Internetmemes ausmachen? Wie sind Konsumprodukte und Internetmemes in ihrer Gestaltung jeweils an ihre jeweiligen Erscheinungskontexte angepasst? Und nicht zuletzt: Wie anders verläuft die spezifische Aneignung eines Konsumprodukts, etwa eines Mobiltelefons, gegenüber der Variation eines Bildes mit digitalen Mitteln, wenn einem Meme eine weitere Variation hinzugefügt wird?

Simon Bieling, Studium der Kunstwissenschaft und Philosophie in Karlsruhe und der Fotografie in Bielefeld. 2004-2006 Beaumont and Nancy Newhall Curatorial Fellowship, The Museum of Modern Art, New York, Depart. of Photography, dort Aufarbeitung der Thomas Walther Collection. Lehraufträge an der Staatl. Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der Merz-Akademie Stuttgart. Seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Staatl. Hochschule für Gestaltung Karlsruhe im Forschungsverbundprojekt Konsumästhetik. Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen. Promotionsprojekt über Konsum in den Social Media.