Forced Memes in Aktion

Thilo Kasper (Berlin): Forced Memes in Aktion

In den vergangenen Jahren haben sich Internet-Memes vom Insiderwitz in Imageboard-Communitys zur digitalen Lingua Franca entwickelt. Im Zuge dieser Popularisierung werden die Rezepte zur Verbreitung memetischer Inhalte auch von Akteuren der Mainstream-Medien und der Popkultur interessant. Neben anarchischen Memes, die in Selektionsprozessen in Memepools wie 4chan und Reddit entstehen, tauchen zunehmend Forced Memes auf, also Internet-Memes, die bewusst als Memes konstruiert und forciert als solche verbreitet und beworben werden.

Stars wie Drake, Beyoncé oder Shia LaBeouf haben das Marketing-Potenzial von Memes für virale Inhalte erkannt und nutzen es. So drehte Shia LaBeouf 2015 seine „Intense Motivational Speech“ vor einem Greenscreen und erleichterte damit die Produktion von Remix-Versionen. Die Adaptionen des Auftritts erreichten auf YouTube mehrere Millionen Views und brachten dem Hollywood-Star enorme Reichweite. Ein ähnliches Rezept lässt sich aus dem Musikvideo zu Beyoncés Hit „7/11“ oder aus Drakes Musikvideo zu „Hotline Bling“ herauslesen. In der Kombination aus repetitiven, Gif-ähnlichen Tanzbewegungen wirken die Videos wie Schablonen für Imitationen und Adaptionen. Jon Caramancia bringt den Sinn dieser Konzepte in der New York Times auf den Punkt: „Online, fandom isn’t merely an act of receiving — it’s one of interaction, recontextualization, disputed ownership and cheek. For the celebrity, it’s about letting go of unilateral top-down narratives and letting the hive take control. For fans, it’s about applying personalization to the object of adoration.“

Aber können Forced Memes mehr liefern, als Marketingerfolge? Seit 2014 recherchiere ich, wie Medien Memes nutzen können, um gemeinsam mit ihrem Publikum Inhalte zu generieren. In diesem Zusammenhang habe ich mit meinem Team z.B. Meme-Generatoren für Zeit-Online produziert und festgestellt, dass Memes ein Schlüssel sind, um zu verstehen, wie sich Communitys künftig an der Produktion von Medien beteiligen werden.

Anhand von Beispielen aus meiner Arbeit und Interviewausschnitten anderer Meme-Produzenten, berichte ich im Workshop aus der Praxis: Wie kann man selbst Memes produzieren? Was können sie leisten, was nicht? Im Anschluss steht die Überlegung, für welche Forschungsfelder Forced Memes interessant sein könnten.

Thilo Kasper ist Designer und Journalist. Er studierte Kommunikationsdesign, kuratorische Praxis und Philosophie & Ästhetik in Karlsruhe, Amsterdam, Berlin, Potsdam und Reading, Pennsylvania. Im Oktober 2015 schloss er sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe mit der Diplomarbeit „Editorial Meme“ ab, in der er mit einem praktischen Experiment die Anwendung von Internet-Memes im Journalismus untersuchte. Als Autor und Regisseur produzierte er Reportagen für das Meme-Magazin „15 Minutes of Fame“ (ZDFinfo), hält Vorträge und Workshops zu Netzkultur, u.A. für die Bundeszentrale für politische Bildung und das Institut für Auslandsbeziehungen und arbeitet als freier Autor und Videojournalist, z.B. für Buzzfeed Deutschland.

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